Allgemeines & Demografisches

Dezember 5th, 2009 — 9:05pm

Der Fragebogen zur Umfrage www.bolognaumfrage.de – Der „Bologna-Prozess“ aus Sicht der Studierenden war vom 29. Juni 2009 bis zum 18. August 2009 für alle Studierenden online zugänglich (Fragebogen siehe Anhang). Die Einladung wurde über diverse Email-Verteiler mit der Bitte um Weiterleitung verbreitet. Zusätzlich wurde von Studierendenvertretungen an einigen Hochschulen Flyer des fzs verteilt. Die Hompage wurde ungefähr 16 500 mal aufgerufen.

12 767 Studierende haben die Fragen bis zum Ende beantwortet und wurden für deskriptive Aussagen einbezogen, sofern nicht anders angeführt.Für Analysen, welche zwischen den alten und neuen Studienstrukturen unterscheiden, werden die Daten von 8134 Studierenden ab Jahrgang 1986 einbezogen, da jüngere Jahrgänge in den neuen Strukturen stark über repräsentiert sind2. Diese Überrepräsentation war den Daten zur Implementierung der neuen Studienstrukturen3 nach zu erwarten.

Unsere ProbandInnen ordnen sich dem biologischen Geschlecht zu 56 Prozent als weiblich, zu 42 Prozent als männlich zu.

Von den TeilnehmerInnen studieren 88,5 Prozent an Universitäten, 10,9 Prozent an Fachhochschulen, 0,2 Prozent an Kunst- und Musikhochschulen und 0,2 Prozentpunkte entfallen auf “Sonstige”, worunter unter anderem Berufsakademien fallen (Vielen Dank für die Hinweise dazu!).

Es haben sich Studierende aus allen Bundesländern beteiligt.

Der Jahrgangsdurchschnitt liegt beim Jahr 1985 und damit bei einem durchschnittlichen Alter der befragten Studierenden von 24 Jahren.

Die Verteilung der Studierenden über die verschiedenen Fächergruppen kann der folgenden Übersicht entnommen werden.

Tabelle 1: „Welcher Fächergruppe ist dein Studiengang zugeordnet?“

FächergruppeProzente
Agra-, Forst und Ernährungswissenschaften1,4
Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Sozialwesen11,6
Ingenieurwissenschaften11,2
Kunst, Kunstwissenschaften, Musik1,1
Mathematik, Naturwissenschaften20,6
Medizin, Gesundheitswissenschaften3,2
Psychologie3,8
Rechtswissenschaften, Jura2,3
Sonderpädagogik, Behindertenpädagogik0,7
Sonstige6,1
Sozialwissenschaften11,4
Sportwissenschaften, Sportpädagogik0,8
Sprach und Kulturwissenschaften16,4
Wirtschaftswissenschaften8,9

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 1-4 und 46-64 einbezogen (Fragebogen: Anhang C)

2 Diese Verteilung gilt auch bei seperater Betrachtung der Fächergruppen. Spätestens ab dem Jahrgang 1985 liegt die Verteilung zwischen alten und neuen Studienstrukturen bei ca. 1:1. Der Einfluss des Alters wird durch die parallelen Gruppen deutlich reduziert.

3 Vgl. Hochschulrektorenkonferenz (Hrsg.) (2009): Statistische Daten zur Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen, Wintersemester 2009/2010, S.23. Zugriff am 10.01.2010 von http://www.hrk.de/de/download/dateien/HRK-Statistik-1_2009.pdf.

Die Einladung wurde über diverse Email-Verteiler mit der Bitte um Weiterleitung verbreitet.

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Interne Qualitäts- entwicklung

November 30th, 2009 — 8:42pm

Schon seit 1999 ist die Qualitätsentwicklung an der Hochschule ein wesentliches Element in den politischen Absichtserklärungen des Bologna-Prozesses. Damit einher geht auch eine Evaluation der Lehre. Über 92 Prozent der Studierenden geben an, dass in den Veranstaltungen, welche sie besuchen, Evaluationen der Lehre durchgeführt werden. Evaluationen der Lehre scheinen also über alle Studienarten hinweg weitestgehend implementiert zu sein. Doch wie steht es um die Wirksamkeit dieser Evaluationen?

Dabei ist zunächst auffällig, dass 43 Prozent der Studierenden nicht wissen, was mit den Ergebnissen der Evaluationen passiert.

Die größte Gruppe der Studierenden, 38 Prozent, sind unentschlossen über die Wirksamkeit der Evaluationen. Doch nur rund 13 Prozent gehen davon aus, dass die Evaluationen der Lehre zu Verbesserungen führen.

abbildung1_qualsi

Dies lässt sich sicherlich auch auf den Umgang mit den Ergebnissen zurückführen. In 76 Prozent der Fälle sind die Ergebnisse der Lehrevaluation noch nicht einmal den Studierenden der betroffenen Veranstaltungen zugänglich und nur bei rund 35 Prozent werden die Ergebnisse in den Veranstaltungen besprochen .

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 6-8 einbezogen (siehe Fragebogen)

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Studien- zufriedenheit

November 29th, 2009 — 8:32pm

Gerade in den Diskussionen um die Qualität(-sentwicklung) der Lehre hat die Zufriedenheit der Studierenden mit dem Studium eine besondere Bedeutung erhalten. Neben methodischen Bedenken an bisherigen Erhebungen, sprechen sowohl theoretische Überlegungen, als auch die großen Studierendenproteste gegen die bisher verbreitete Behauptung, Bachelor-Studierende seien zufriedener mit ihrem Studium als Studierende in den alten Studienstrukturen2.

Für die Bolognaumfrage wurden aus der Erziehungswissenschaft theoretisch und methodisch fundierte Konzeptionen der Studienzufriedenheit ausgewählt3.

Zusätzlich konzipierten die AutorInnen den Faktor Zufriedenheit mit der Autonomie in der Wahl der Studieninhalte, hierunter fällt zum Beispiel die Möglichkeit selbständig zu wählen, welche Veranstaltungen in den Studienplan eingebracht werden können. Besonders interessant sind die Ergebnisse zu zwei der verwendeten Konzepte.

Zum einen sind die Studierenden in den neuen Studienstrukturen deutlich weniger zufrieden mit ihrer Bewältigung der Studienbelastungen. Besonders heben sich hier die Bachelor-Studierenden hervor, die deutlich unzufriedener mit der Bewältigung von Studienbelastungen sind.

Angegeben sind die Mittelwerte der fünfstufigen Skala.

Je größer der Wert, desto zufriedener sind die Studierenden.

abbildung2_zufr

Auch bei den Ergebnissen zur Zufriedenheit mit der Autonomie in der Wahl der Studieninhalte fallen die Bachelorstudierenden deutlich aus dem Rahmen. Auch hier gilt, die Bachelor-Studierenden sind deutlich unzufriedener mit ihrer Autonomie in der Wahl ihrer Studieninhalte.

!Hier gilt, je größer der Wert, desto unzufriedener die Studierenden!

abbildung3_zufr

Die auf beiden Skalen den neuen Studiengängen sehr ähnlichen Mittelwerte der Staatsexamen-Studierenden könnten darauf zurückzuführen sein, dass deren Studiengänge schon in der klassischen Konzeption deutlich strikter strukturiert waren. Zudem können wir nicht unterscheiden, ob es sich um sogenannte „modularisierte“ Staatsexamen handelt.

1In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 32-34 einbezogen (siehe Fragebogen)

2 Hochschul-Informations-System GmbH (Hrsg.) (2008): Studienqualitätsmonitor 2007 Studienqualität und Studiengebühren, S.80. Zugriff am 03.01.2010 von http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-200801.pdf.

3 vgl. Westermann, R., Heise, E., Spies, K. und Trautwein, U. (1996): Identifikation und Erfassung von Komponenten der Studienzufriedenheit. Psychologie, Erziehung, Unterricht, 43.Jg, 1-22.

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Arbeits- belastung

November 28th, 2009 — 8:55pm

Mit der verpflichtenden Implementierung des ECTS (European Credit Transfer System) im Rahmen des Bolognaprozesses sind nun alle Hochschulen verpflichtet die Arbeitsbelastung (den „Workload“) der Studierenden zu berücksichtigen.

Gleichzeitig häufen sich aber Berichte über psychische Überlastungen bei Studierenden und die Beschwerden über ein zu straff organisiertes Studium. Ein deutliches Zeichen, dass dieser Verpflichtung noch nicht ausreichend nachgekommen wird. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückführen, dass eine zuverlässige Erhebung allen Zeitaufwands, der für ein Studium erbracht wird, kaum möglich ist.

Deswegen möchten wir auch hier darauf hinweisen, dass die Angaben der Studierenden nur als grobe Selbsteinschätzung der eigenen Arbeitsstunden verstanden werden können. Trotzdem finden sich deutliche Unterschiede zwischen den Studienstrukturen. Die Studierenden in Bachelor-, Master- und Staatsexamen-Studiengängen haben im Mittel eine höhere Arbeitsbelastung als Studierende im Diplom und Magister. Die angegebenen Werte beschreiben die Klasse, in welche der jeweilige Durchschnitt fällt.

Tabelle 2: „Wie hoch schätzt du deine Arbeitsbelastung für dein Studium pro Woche während der Vorlesungszeit ein?“

StudienstrukturStunden
Bachelor30 - 35
Master30 - 35
Diplom25 - 30
Magister25 - 30
Staatsexamen30 - 35

Betrachten wir, wie viel Zeit in ein Studium investiert werden muss, so ist die Anzahl der Prüfungen ein wichtiger Indikator. So beklagen Studierende der neuen Studienstrukturen oft eine besonders hohe Prüfungslast. Dies wird von den Daten unterstützt.

abbildung4_belast

Diese Unterschiede spiegeln sich auch darin wieder, wie viele nicht vorgeschriebene Veranstaltungen die Studierenden pro Semester besuchen.

abbildung5_belast

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 18- 25 einbezogen (siehe Fragebogen)

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Studienzeit & Abschlüsse

November 27th, 2009 — 9:00pm

Von den TeilnehmerInnen an der Bolognaumfrage gehen 38,9 Prozent davon aus, ihre Studienzeit einhalten oder sogar unterschreiten zu können. Drei oder mehr Semester länger als die Regelstudienzeit zu studieren planen allerdings nur 18,4 Prozent der Studierenden.

abbildung6_zeit

Bei einer genaueren Betrachtung des am häufigsten genannten Grundes, der Hohen Anforderungen im Studium ergibt sich eine gravierende Variation zwischen den Studienstrukturen. Wer im Bachelor-Studium davon ausgehen muss, die Regelstudienzeit nicht einhalten zu können, gibt zu 60,7 Prozent an, dass dies auf die Hohen Anforderungen im Studium zurückzuführen ist.

abbildung7_zeit

Wie aber sehen die Studierenden ihre Perspektiven nach dem Studium? Hierzu gehört die viel zitierte „Employability“. Aus Sicht der Studierenden ist hier relevant, wie gut diese ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt einschätzen. Auch hier finden wir große Unterschiede zwischen den Studienstrukturen. Bachelor-Studierende, sowie Magister-Studierende, schätzen ihre Chancen deutlich seltener als gut oder sehr gut ein.

abbildung8_zeit

Doch auch die Chancen auf einen Master-Studienplatz beurteilen die Bachelor-Studierenden nur zu 53,8% als gut oder sehr gut.

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 14-16 einbezogen (siehe Fragebogen)

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Engagement

November 26th, 2009 — 8:50pm

An vielen Hochschulen wird unter Aktiven eine Abnahme der studentischen Partizipation bemängelt. Das hier dargestellte Konzept hochschulpolitische Bedeutsamkeit umfasst fünf verschiedene Aspekte. Es ist zu erkennen, dass Bachelor-Studierende Hochschulpolitik als wichtiger einschätzen als ihre KommilitonInnen in Diplom-Studiengängen. Studierende in Master-Studiengängen messen Hochschulpolitik weniger Bedeutung zu.

abbildung9_engag

Doch aus dem Interesse lassen sich keine Aussagen über das tatsächliche Engagement ableiten. Die meisten Studierenden sind in Vereinen (42,2 Prozent) aktiv. Im Kontext der Fragestellung der hochschulpolitischen Bedeutsamkeit, ist es besonders interessant zu betrachten, wie viele der Studierenden tatsächlich in einer Gruppe, Funktion oder Amt an der Hochschule aktiv sind. In Abbildung 10 werden Unterschiede zwischen den Studienstrukturen dargestellt.

abbildung10_engag

Es werden Unterschiede zwischen den Studierenden der neuen und alten Studiengänge deutlich. Bachelor-Studierende, interessierter als Master-Studierende (s.o), sind jedoch nicht aktiver als diese. Während kaum Unterschiede in der Bedeutung von Hochschulpolitik zwischen den Studierende der alten und neuen Studienstrukturen bestehen (s.o), bringen sich die Studierenden in alten Studienstrukturen häufiger in der Hochschule ein als Studierende der neuen Studienstrukturen.

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 27- 30 einbezogen (siehe Fragebogen)

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Auslands- mobilität

November 25th, 2009 — 8:45pm

(Auslands-)Mobilität gilt als eines der zentralen Ziele im Bologna-Prozess, nicht erst seit der in Leuven gesetzten Richtlinie von 20 Prozent der Studierenden, welche bis 2020 Auslandsaufenthalte absolvieren sollen. Auch den Studierenden ist durchaus bewusst, wie nützlich ein Auslandsaufenthalt für sie sein kann. Wir haben alle TeilnehmerInnen gefragt, was Studierende in ihren Augen davon abhält, ins Ausland zu gehen. Dabei geben nur 19 Prozent einen vermuteten geringen Nutzen eines Auslandsaufenthaltes an. Finanzierungsprobleme (80 Prozent) sowie befürchtete Studienzeitverlängerungen (77 Prozent) stellen dagegen unübersehbare Hemmnisse dar.

Tabelle 3: „Was hält deiner Meinung nach Studierende davon ab, einen Auslandsaufenthalt während ihrem Studium durchzuführen?“

Potentielle HemmnisseProzentuale Zustimmung
Nicht ausreichende Sprachkenntnisse35%
Schwierigkeiten, Informationen zu bekommen25%
Wohnprobleme im Gastland22%
Trennung von Partner/in, Familie und Freunden51%
Wegfall von Leistungen bzw. Verdienstmöglichkeiten52%
Generelle Probleme bei der Finanzierung80%
Erwartete Zeitverluste im Studium77%
Ein vermuteter geringer Nutzen19%
Eigene Trägheit38%
Angst sich im Ausland nicht zurrecht zu finden31%

Diese Ergebnisse finden sich auch in den Angaben wider, was nach Meinung der Studierenden die Mobilität fördern könnte:

Tabelle 4: „Was könnte deiner Meinung nach die Bereitschaft von Studierenden steigern, einen Auslandsaufenthalt zu machen?“

Potentielle FördermöglichkeitenProzentuale Zustimmung
Im Studienplan verankerte Auslandsaufenthalte60%
Angebote der Hoschulen60%
Persönliche Kontakte ins Ausland45%
Zuvor gemachte Auslandserfahrungen38%
Größere Sicherheit bezüglich der Anerkennung der im Ausland erbrachten Leistungen77%
Bessere finanzielle Hilfen83%
Anderes5%

Die Bedenken der Studierenden bezüglich der Anerkennung von Studienleistungen und Verlängerung von Studienzeiten scheinen nicht unbegründet: Während von den Studierenden, welche nicht im Ausland waren, 46 Prozent angaben, ihre Studienzeit einhalten zu können, können dies nur 38 Prozent der Studierenden mit Auslandserfahrung. Zusätzlich finden wir hier den empfundenen Zeitdruck auf die Studierenden in den neuen Studienstrukturen bestätigt: Sie geben um acht Prozentpunkte häufiger die Angst vor Studienzeitverlängerungen an, als Studierende in den alten Studienstrukturen.

Auch die Angst vor unzureichender Finanzierung ist gerechtfertigt: 80 Prozent der Studierenden, mit Auslandsaufenthalt mussten diesen ganz oder mindestens teilweise mit Unterstützung der Eltern oder aus eigenen Einkünften finanzieren. Die vorhandenen staatlichen Möglichkeiten zur Finanzierung greifen hier zu kurz.

Interessant ist ebenfalls die Verteilung über die Studienstrukturen.

abbildung11_ausland

Selbst bei der gleichmäßigen Verteilung der Studierenden über die alten und neuen Studienstrukturen zeigt sich erschreckend deutlich, dass in den Bachelor-Studiengängen wohl weniger Raum für Auslandsaufenthalte geblieben ist. Dies spiegelt sich auch in der Tendenz der Bachelor-Studierenden zu kürzeren Auslandsaufenthalten wider. Die deutliche Abweichung der Magister-Studierenden kann hier zum Teil über die für Magister-Abschlüsse typischen Fachgruppenzugehörigkeiten erklärt werden.

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 37- 39 und 43-45 einbezogen (siehe Fragebogen)

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Finanzielles

November 24th, 2009 — 8:40pm

Die Erhöhung des Arbeitsaufwands in den neuen Studienstrukturen (siehe S.10) legt nahe, dass auch bei den finanziellen Verhältnissen der Studierenden Unterschiede zu finden sind. Da die Wohnsituation einen erheblichen Faktor in der finanziellen Belastung darstellt, wurde diese erhoben. Bachelor-Studierende, aber vor allem Master-Studierende wohnen häufiger bei ihren Eltern als die Studierende der alten Studiengänge.

abbildung12_finanz

Doch auch bei der generellen Finanzierung des Studium sind die meisten Studierenden auf ihre Eltern angewiesen. 78,4 Prozent finanzieren ihren monatlichen Lebensunterhalt mit Unterstützung dieser. Beim Vergleich der finanziellen Situation der Studierenden über die Studienstrukturen fällt auf, dass es deutliche Unterschiede in der Art und Weise der Studienfinanzierung zwischen den Studienstrukturen gibt. So sind Bachelor-Studierende seltener erwerbstätig als Studierende in den anderen Studienstrukturen2 (vgl. Abbildung 13).

abbildung13_finanz

Dafür greifen sie häufiger auf Kredite zurück, um ihr Studium zu finanzieren3.

abbildung14_finanz

Auch zur Finanzierung der anfallenden Kosten zur Immatrikulation inklusive der Studiengebühren muss häufig die Hilfe der Eltern in Anspruch genommen werden oder eigenes Einkommen eingebracht werden. Ein nicht zu verachtender Teil kann diese Kosten nur mit Hilfe von Krediten bezahlen. Kredite werden dabei insbesondere von Studierenden der neuen Studiengänge in Anspruch genommen. Dies deckt sich mit den Ergebnissen zur allgemeinen Studienfinanzierung (s.o.).

abbildung15_finanz

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 9-13 einbezogen (siehe Fragebogen)

2 Um eine Vergleichbarkeit der finanziellen Situation zu ermöglichen, wurden nur Studierende einbezogen, welche nicht bei ihren Eltern wohnen.

3 Um eine Vergleichbarkeit der finanziellen Situation zu ermöglichen, wurden nur Studierende einbezogen, welche nicht bei ihren Eltern wohnen.

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Werte-orientierungen

November 23rd, 2009 — 8:35pm

Welche Lebensbereiche sind für Studierende besonders wichtig? Welche Herausforderungen und Aufgaben halten sie für die eigene Entwicklung für relevant? Um auf diese Frage eine Antwort geben zu können, wurden die “Werteorientierungen” der Shell-Jugendstudie2 aufgegriffen und um Entwicklungsaufgaben, denen sich junge Erwachsene gegenüberstehen, ergänzt. Wie Tabelle fünf zu entnehmen, sind die drei wichtigsten Aufgaben, welche Studierende sich setzen eigenverantwortliches Leben und Handeln, eigene Weiterentwicklung und Bildung sowie das Führen von freundschaftlichen Beziehungen.

Durch inhaltlich und rechnerische3 Gliederung lassen sich sechs sinnvolle Faktoren unterscheiden, welche ebenfalls Tabelle fünf entnommen werden können.

Tabelle 5: Mittelwerte der Bedeutsamkeit verschiedener Wertebereiche (1 unwichtig bis 5 sehr wichtig)

tabelle5_werte

Zwischen diesen Aspekten haben die Studienstrukturen genauso wie auch die Fächergruppen zwar nur geringe Effekte, für einen Einblick werden im Folgenden zwei Faktoren dargestellt.

Die berufliche Anpassung ist besonders wichtig für Studierende von Master-Studiengängen, hat dagegen aber weniger Bedeutung für die Studierenden im Magister.

abbildung16_werte

Interessant sind aber auch die Unterschiede zwischen den Fächergruppen, so in der Bedeutsamkeit von Selbstbildung/ Selbstentwicklung. Diese ist Studierenden in Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Fächern wichtiger, als den Studierende aus dem wirtschaftswissenschaftlichen, mathematischen und naturwisschenschaftlichen Bereichen.

abbildung17_werte

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 17,26,31 einbezogen (siehe Fragebogen)

2Vgl. Shell Deutschland Holding (Hrsg.) (2006): 15.Shell Jugendstudie, Jugend 2006, 175ff, 475.

3Varimax Analyse, Rotierte Faktorenlösung

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Fazit

März 9th, 2009 — 9:15pm

Abschließend soll noch eine Frage herausgegriffen werden, deren Ergebnis überraschend gravierende Unterschiede zwischen den Studienstrukturen aufweist.

Die Studierenden wurden gefragt, ob sie lieber in einem Diplom/ Staatsexamen/ Magister-Studienengang bzw. in einem Bachelor/ Master-Studiengang studieren würden. Das Ergebnis für die neuen Studienstrukturen fällt verherend aus. Über zwei Drittel (!) der Bachelor-Studierenden würden lieber in den alten Studienstrukuren studieren.

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Dem gegenüber lehnen die Studierenden in den alten Studiengängen einen Wechsel in eine der neuen Studienstrukturen fast komplett ab (siehe Abbildung 19). Angesichts dieser Zahlen, mit einer Ablehnung bei Diplom- und Magister-Studierenden von über 90 Prozent (!), darf durchaus von einem katastrophalen Ruf der neuen Studienstrukturen Bachelor und Master gesprochen werden.

abbildung19_fav

Nicht zuletzt diese finalen Ergebnisse, die den katastrophalen Ruf der neuen Studiengänge überdeutlich darstellen, sollten zu denken geben. Auch dass die Studierenden der neuen Studienstrukturen unzufriedener sind macht deutlich, dass Reformen dringend nötig sind. Die Ergebnisse der Bolognaumfrage geben Hinweise darauf, wo diese Reformen ansetzen könnten.

Die rein flächenmäßige Einführung der Instrumente des Bologna-Prozess scheint keine Lösung zu sein, wie zum Beispiel bei der internen Qualitätsentwicklung deutlich wird. Die Lehrevaluation führt nach Ansicht eines Großteils der Studierenden nicht zu Verbesserungen. Hier muss dringend auch auf die Qualität der Umsetzung geachtet werden. So werden bisher die Ergebnisse der Evaluation nur selten in den Veranstaltungen besprochen. Dies wäre ein erster Ansatzpunkt, soll die Lehrsituation verbessert werden. Des weiteren sollten Studierende schon in die Konzeption der Evaluationen eingebunden werden, um für sie wesentliche Aspekte einbringen zu können.

Die zeitliche Belastung stellt besonders für die Studierenden der neuen Strukturen ein bedeutendes Problem dar. Die Bachelor- und Master-Studierenden müssen nicht nur einen höheren Zeitaufwand für das Studium erbringen, zusätzlich sind sie deutlich höherem Leistungs- und Prüfungsstress ausgesetzt. Sie müssen deutlich mehr benotete Leistungsnachweise absolvieren als ihre KommilitonInnen in den alten Studienstrukturen. Eigentlich sollte gerade die Einführung des “Workloads”, gesichert über die Akkreditierung, die Studierbarkeit gewährleisten. Hierbei muss eine weitgehende Überarbeitung der jetzigen Bachelor- und Master-Studiengänge gefordert werden, die auch das Konzept und Überprüfbarkeit der Arbeitsbelastung kritisch reflektiert.

Zeitprobleme haben auch Auswirkungen auf die Auslandsmobilität der Studierenden. So gehen gerade Bachelor-Studierende aus Angst vor Zeitverlusten im Studium nicht ins Ausland. Dabei sollte ja gerade auch nach “Bologna” die Anerkennung von Studienleistungen vereinfacht werden. Hier gilt ebenfalls: die reine Einführung des ECTS bringt keine Fortschritte, solange die Kompetenzorientierung dabei nicht konsequent umgesetzt wird. Damit aber mehr Studierende einen Auslandsaufenthalt verbringen können, muss zusätzlich die finanzielle Unterstützung stark ausgeweitet werden.

Dies gilt nicht nur für Auslandsaufenthalte. Fast alle Studierenden sind bei der Finanzierung des monatlichen Unterhalts auf ihre Eltern oder sogar auf eigene Einkünfte angewiesen, was gerade auf Grund der zeitlichen Einschränkungen immer schwerer zu werden scheint.

Außerdem sind Studierende in den neuen Studiengängen nahezu gleich interessiert an hochschulpolitischen Themen wie ihre KommilitonInnen in den alten Studienstrukturen. Allerdings sind weniger Bachelor und Master-Studierende tatsächlich an der Hochschule engagiert. Dies ist sicherlich auch auf die obigen Probleme in der bisherigen Umsetzung, wie die erhöhte Prüfungsbelastung zurückzuführen. Um aber die neuen Studienstrukturen so umzugestalten, dass sie auch von den Studierenden akzeptiert werden, ist gerade eine höhere Einbindung dieser notwendig. Denn gerade in Punkten wie der Studierbarkeit sind alle auf die Erfahrung der Studierenden angewiesen.

Der Bologna-Prozess ist keineswegs abgeschlossen, hat aber zumindest eine Diskussion über Studiumsentwicklung angestoßen. Es bedarf umfassender Reformen der neuen Studienstrukturen, die gerade für eine kontinuierliche Entwicklung die Studierenden und ihre Situation ernst nimmt. In offenen Diskussionen sollte dabei nicht nur die Stimme der Studierenden gehört werden, sondern auch die unter “Bologna-Prozess” eingeführten Konzepte, wie zum Beispiel die Arbeitsbelastung, gemeinsam hinterfragt werden.

1 In diesen Artikel wurden hauptsächlich Daten der Fragen 35-36 einbezogen (siehe Fragebogen)

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